Robinie ist Baum des Jahres 2020

Die Robinie (Robinia pseudoacacia), auch Scheinakazie genannt, ist der Baum des Jahres 2020. Mit ihren duftend weißen Blüten sei die Baumart ein schöner Farbtupfer in Deutschlands Parks, Gärten und Wäldern, teilte die Stiftung „Baum des Jahres“ in Berlin mit. Die in Deutschland ursprünglich nicht heimische Robinie könne wegen ihrer hohen Widerstandsfähigkeit ein Hoffnungsträger im Klimawandel sein.

Die Baumart sei ungewöhnlich widerstandsfähig, so die Stiftung weiter. Eben diese Eigenschaften werden im Terrassen-, Fassaden- und Spielplatzbau genutzt.

Bildquelle: robinie-shop.de

Vergrautes Robinienholz

Das Holz der Robinie bildet mit der Zeit eine silbergraue Patina. Diese schützt das Robinienholz auf natürliche Weise und macht umweltbelastende fungizidhaltige Öle unnötig. Der Pflegeaufwand reduziert sich auf die Reinigung mit Wasser.

Der angenehme Grauton fügt sich in jede Umgebung harmonisch ein. Das Vergrauen ist abhängig von der UV-Einstrahlung. Unter intensiver Sonneneinstrahlung vergraut das Robinienholz schneller als an schattigen Stellen. In der Regel setzt die Vergrauung bereits nach etwa 3 Monaten ein und sollte spätestens nach einem Jahr den endgültigen einheitlichen Farbton erreicht haben.

Beispiel einer vergrauten Robinien-Terrasse.

Der finale Grauton ähnelt Lärche und Esche. Somit ist die Robinie auch sehr gut mit diesen Holzsorten kombinierbar.

Keilzinkung von Robinienholz für den Einsatz im Terrassen- und Fassadenbau

Die Grundlage für die Entwicklung der Keilzinkung der Robinie, war die Diplomarbeit von Gregor Müller. In dieser hat er die optimale Zinkengeometrie sowie den Klebstoff mit den optimalen ökologischen und technischen Eigenschaften erforscht.

Aufgrund der gegensätzlichen Holzeigenschaften war die Keilzinkung der Robinie nicht von der Nadelholzindustrie übertragbar. Der Anwendungsbereich bei der Keilzinkung der Robinie ist außerdem für den Außeneinsatz entwickelt worden. Daher musste man mit sehr speziellen und witterungsbeständigen Klebstoffen, gegen Hitze, Frost und UV-Licht, ausgeführt werden. Weiterhin sollte der Klebstoff ausreichend elastisch sein, um die Spannungen der Robinie aufzunehmen.

Keilgezinkte Robinien-Elemente
Keilzinken der Robinienelemente vor der Verklebung im Pressbett.

Keilgezinkte Latten haben einen großen Vorteil: Sie sind bis 6 m Länge herstellbar und haben eine gleichmäßige Holzqualität. Weiterhin sind sie formstabil.

Erst durch die Verarbeitung von Robinie zu langen, geraden Brettern, kann das Robinienholz als ernste „Alternative“ für ökologisch unvertretbare Tropenhölzer oder borealen Hölzer im Terrassen- und Fassadenbau in Betracht kommen.

Eigenschaften des Robinienholzes

Robinienholz ist sehr hart und schwer. Selbst der Eiche ist sie in punkto Festigkeit weit überlegen. Es ist überdurchschnittlich elastisch und belastbar.

Die Robinie hat im getrockneten Zustand sehr geringe Schwindmaße. Um diese Eigenschaften im Holzbau, wie z.B. im Terrassenbau, optimal einsetzen zu können muss die Rohware an der Freiluft vorgetrocknet werden und danach schonend technisch weitergetrocknet werden. Da dieses Verfahren sehr viel Erfahrung voraussetzt, gibt es keine Handvoll Hersteller in Europa, die dies beherrschen.

Robinienstämme werden an der Luft vorgetrocknet um später schonend technisch getrocknet zu werden.

Das fertige Konstruktionsholz oder Terrassen- und Fassadenholz läßt sich sehr gut weiterverarbeiten. Bei Schraubverbindungen sollte immer Vorgebohrt werden.

Das Robinienholz hat einen hohen Gerbsäureanteil, welcher in Verbindung mit Metall korrodiert und damit verfärbt. Der Säureanteil macht das Kernholz schädlingsrestistent und die Robinie zu dem einzigen in Europa wachsendem Holz mit der Resistenzklasse 1-2 nach DIN EN 350-2.

Kennzahlen (Holzfeuchte 12-15% aus Europa):

  • Gewicht frisch: ca. 930 kg/m³
  • Gewicht darrtrocken: 0,66 – 0,79 g/cm³
  • Druckfestigkeit: 55 – 75 N/mm²
  • Biegefestigkeit : 120 – 160 N/mm²
  • Schlagbiegefestigkeit: 110 – 210 kJ/m²

Vorkommen der Robinie

Nach Eukalyptus- und Pappelarten ist die Robinie der Laubbaum, der heute weltweit am häufigsten kultiviert wird – überwiegend mit dem Ziel, die Bodenqualität zu verbessern (Stickstoffeintrag) und Halden zu befestigen. Aufforstungen für die Holzproduktion existieren hauptsächlich in Südosteuropa, mit den größten Flächen in Ungarn und Rumänien.

Größere Robinienbestände finden sich auch im Osten Frankreichs und in den typischen Weinanbaugebieten im Südwesten, wo die Robinie traditionell für Weinpfähle angebaut wird.

In Deutschland findet man bedeutende Robinienbestände in Reinform hauptsächlich in den neuen Bundesländern, in den devastierten Böden rundum Berlin (Brandenburg), aber auch in Sachsen, Sachsen Anhalt und Thüringen. In Truppform oder als Beimischung finden sich Robinien auch in den alten Bundesländern, wo sie von den Braunkohlehalden im Kölner Revier über das Saarland (Teilweise Monokultur) über die gesamte Rheinschiene bis Freiburg vorkommen. Robinien wurden oft zusammen mit Weinbaukulturen angebaut, um zusätzlich zum Wind- und Erosionsschutz Pfähle für die Reben zu erzeugen. Insgesamt stehen in Deutschland mehrere Millionen sogenannter Vorratsfestmeter in Robinie zur Verfügung.

Außerhalb Europas wächst die Robinie natürlich auch weiterhin in ihrer Heimat, den USA, wo sie sich mittlerweile über den ganzen Kontinent verbreitet hat. Holzwirtschaftlich genutzt wird sie dort derzeit aber nicht in größeren Mengen.